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Peter Bochynek

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Duisburg am Tage: Blick auf den Duisburger Norden im Jahr 2000
Blickrichtung Westen vom Hochofen 5 im Landschaftspark DU-Nord ©2000Bochynek
Bildentstehung: Landschaft "Duisburger Norden im Jahr 2000" : Aufnahme mit 4x5 Inch auf Color-Planfilm. Kamera Linhof Technar. Objektiv Schneider XL 47 Super-Angulon. Nach chemischer Entwicklung wurde der Planfilm per Scanner digitalisiert, weitere Bearbeitung in EBV.

 
 


Industriegeschichte im Bild: Die Aufnahme "Duisburger Norden im Jahr 2000" ist bereits historisch und zeigt am Horizont unter anderem fünf Hochöfen, von denen 2017 vier existieren. Alle Hochöfen wurden erneuert, einer wurde komplett neu gebaut. Der legendäre "Schimanski" Hochofen 4 wurde im Jahr 2012 plattgemacht. Die beiden Großhochöfen in Duisburg-Hamborn-Marxloh (der erste wurde etwa 1974 fertiggestellt), sind aber zwischenzeitlich renoviert worden, also neu "zugestellt", wie der Metallurge sagen würde. Eine neue Großkokerei wurde weiter westlich in Duisburg- Hamborn- Alsum neu errichtet. Das Bild zeigt im Grunde nahezu vollständig das Industriearreal der heutigen "ThyssenKrupp Steel Europe AG" im Duisburger Norden. Stahlwerke, Walzwerke, Sinteranlage und Kraftwerke existieren weiterhin. Ein Großkraftwerk kam hinzu.


Essay: Mythos Ruhrgebiet

Addendum 2017:

Immer noch aktuell: Ein Gesetz mit dem Ziel der nachhaltigen Gesundung der Gemeindefinanzen strukturwandelgeschädigter Kommunen tut not.
Zwar hat die Stadt Duisburg mehrfach mit Landeshilfe einen ausgeglichenen Haushalt realisieren können, diese finanziellen Strukturen sind zwar augenblicklich lobenswert, aber nicht nachhaltig. Die Stadt muss wohl auch zu stark am Personal sparen.

Verkehr: Staus ohne Ende und ein unatraktiver ÖPNV nerven die Duisburger.

Bildung: Der Staat tut zu wenig insbesondere für die Schüler der Berufsschulen und der Grundschulen. An den Berufsschulen droht Lehrermangel in berufsqualifizierenden Technikfächern, und an den Grundschulen des Duisburger Norden fehlen gar an die 100 qualifizierte Grundschullehr und -Lehrerinnen. Es mangelt sogar an Schulgebäuden.

Positiv: Duisburg hat über eine Millionen Besucher in 2016, im Jahr 2017 bereits bis Oktober. Und es wird wieder mehr gebaut.

Addendum 2016:

Immer noch aktuell: Ein Gesetz mit dem Ziel der nachhaltigen Gesundung der Gemeindefinanzen strukturwandelgeschädigter Kommunen tut not. Die Altschulden dieser Kommunen sollten in einen Bundesfond überführt werden analog zu Strukturen der sogenannten "Bankenrettung". Im Übrigen müssen sämtliche Kosten der Hilfen für die Flüchtlinge den Gemeinden zu 100% vom Bund sehr zeitnah, also unverzüglich-sofort erstattet werden.

Bildung und Verkehr sind wichtige Themen, die die Bürger des Duisburger Nordens von der Politik als nicht gelöst ansehen.

Addendum 2015:

Die Straßenbahnverbindung 105 zwischen Oberhausen und Essen wurde von den Bürgern Oberhausens aus städtischem chronischen Geldmangel erstmal per Bürgerentscheid abgelehnt.

Die Struktur- und Finanzprobleme des Ruhrgebiets bestehen weiterhin und könnten in der aktuellen Flüchtlingskrise von der Tagesordnung verdrängt werden. Das 2015er Strukturprogramm des Bundes ist ein guter Anfang, aber zu wenig. Ein Gesetz mit dem Ziel der nachhaltigen Gesundung der Gemeindefinanzen strukturwandelgeschädigter Kommunen tut not. Die Altschulden dieser Kommunen sollten in einen Bundesfond überführt werden analog zu Strukturen der sogenannten "Bankenrettung". Im Übrigen müssen sämtliche Kosten der Hilfen für die Flüchtlinge den Gemeinden zu 100% vom Bund sehr zeitnah, also unverzüglich-sofort erstattet werden.

 

DIE FRAGE 2014: Wer hilft dem Ruhrgebiet?

Strukturwandel: Eine faszinierend aussehende Industrielandschaft im starken Wandel, der allerdings für die Menschen der Region in brutaler Weise aus weltökonomischen Zwängen vor sich geht. Für durchaus zukunftsicher geglaubte komplette Industrieeinheiten mit großer Tradition verschwinden aus der Landschaft. Damit geht der Strukturwandel auf beängstigende Art vor sich, denn der Verlust an Arbeit geht zu schnell und abrupt vor sich. Die Einwohner Duisburgs gehören bereits zu den ärmsten der Republik (Arbeitsamtstatistik, Armutsbericht) Die Region hat vielleicht das Schlimmste noch vor sich. Aktuell gibt es sogar Sorgen um die ThyssenKrupp Steel Europe AG. Man stelle sich die Industrielandschaft im Bild oben ohne Stahlindustrie vor...

Die große Politik in Brüssel, Berlin und in Düsseldorf hat offensichtlich bis heute kein finanziertes, nachhaltiges und überzeugendes Konzept für den Strukturwandel im Westen. Der Strukturwandel im Osten der Republik ist aufgrund von Milliardentransfers von West nach Ost gut in Gang gekommen, während in den Städten des Ruhrgebiets noch nicht einmal Geld da ist für Investitionen in die veraltete Verkehrsinfrastruktur: Die traurigen Beispiele: U79 in Duisburg (aktuell: Geldmangel für nötige Signaltechnik, Zeitgeschichte: Ende der U79 in Meiderisch statt in Marxloh oder am LaPaDu), und die Straßenbahnverbindung 105 zwischen Oberhausen und Essen scheinen auf kein gutes Ende hinauszulaufen.

Allerdings: Die Anstrengungen zum Umweltschutz werden hingegen immer sicht- und spürbarer. 2014 ist der Aufwachs an Grün, insbesondere an Bäumen unübersehbar. Die Schmutz-und Staubbelastung geht zurück, der Himmel über der Emscher ist wieder blau. Der Preis: siehe oben. Im Hinblick auf die vergangenen Jahre mutet es geradezu als ein Wunder an, dass der Landschaftpark Duisburg-Nord, liebevoll "LaPaDu"genannt, realisiert wurde, und vor allem, dass er immer noch existiert.

Die politische Frage bereits 2014: Wer hilft jetzt dem Westen?

 

Ruhrgebiet 2014: Wirtschaft und Politik heute. Das Ende des Mythos?

Die ökonomische Situation des Ruhrgebiets ist aktuell alles andere als rosig. Im Laufe der letzten 40 Jahre sind hunderttausende Arbeitsplätze im Ruhrgebiet verloren gegangen, von 128 Zechenanlagen im Jahr 1959 sind noch drei Zechen geblieben, die bis 2019 geschlossen sein werden. Das wahrscheinlich mit PCB verunreinigte Grubenwasser hingegen muss aber noch "ewig" gehoben, gereinigt und abgeführt werden. Die Stahlindustrie, früher in fast allen Städten des Reviers durch entsprechende gewaltige Industrieanlagen präsent, existiert praktisch nur noch in der Stadt Duisburg mit dem Standortvorteil direkt am Rhein. In Duisburg wurden dennoch mindestens drei große industrielle Einheiten der Stahlindustrie stillgelegt, zwei wurden größtenteils abgerissen, einer wurde zum Landschaftspark. Symbolisch: Die Produktion von Schienen in Duisburg begann etwa 1898, sie endete im Jahr 2014, in der gesamten Bundesrepublik werden nun keine Schienen mehr produziert, obwohl doch Bedarf besteht.
Der sogenannte Strukturwandel verlangt den Menschen der Region alles ab, weil die in der Schwerindustrie verloren gegangenen Arbeitsplätze eben immer noch nicht durch andere aufstrebende Industrien oder Dienstleistungen neu geschaffen wurden. Der Tourismus kommt zu langsam in Gang, förderlich wäre eine Vermehrung der Orte zur Besichtigung des Mythos, und nicht das Gegenteil.
Zunächst als zukunftssicher angesehene Produktionsstandorte und damit Arbeitsplätze im Bereich Telekommunikation und Automobilproduktion (Bochum) wurden abgebaut. Hier hätte der früher belächelte Tourismus eine Chance, wenn es in Zukunft nicht weniger, sondern mehr Industriedenkmäler zu bestaunen gäbe.
Zusätzlich wurden das Land Nordrhein-Westfalen und insbesondere die Städte durch die neu gewonnene Einheit Deutschland ab 1989 durch Solidaritätsabgaben in Milliardenhöhe belastet. Dabei standen und stehen im Ruhrgebiet immer noch gewaltige Probleme auf der Tagesordnung bei der Transformation von einer enorm durch die Schwerindustrie geprägten Region zu einer Region mit neuen wirtschaftlich tragenden Strukturen. Dazu bedarf es gewaltiger Investitionen. Sollte das Projekt Emscher der deutschen Politik nicht Mut dafür machen?
Während man in den neunziger Jahren hierzulande gelegentlich noch optimistisch in die Zukunft blickte, so rückten nach dem Ende der euphorischen Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark 1990-2000 die negativen Schlagzeilen wieder in den Focus der Berichterstattung zum Ruhrgebiet.
Seitdem, so scheint es, verschärften sich die Probleme immer weiter bis zum heutigen Stand der Dinge. Die Städte der Republik, besonders die im Revier sind für ihre gewaltigen Aufgaben seit Jahrzehnten unterfinanziert. Der Volksmund spricht im typischen Ruhr-Klartext sogar von kommunaler "Pleite". Auch im Bildungsvergleich glänzen NRW und Ruhrgebiet nicht mehr. Die Aufbruchstimmung in Folge der Gründung von Gesamthochschulen und Kollegschulen (Johannes Rau als NRW Ministerpräsident und Herwig Blankertz als wissenschaftlicher Genius) ist verflogen wie ein Rausch. Heute ist eine Bildungsreform mit mehr Mitteln und besseren Strukturen notwendig. Notwendig ebenso eine Reform der Verwaltung des Landes, eine bessere Wirtschaftspolitik und eine stärkere europasichtige Interessensvertretung. Das Land NRW wird zunehmend als kraftlos empfunden, daran sollte sich etwas ändern lassen! Überfällige und sinnvolle Investitionen z.B. in Infrastruktur (Tourismus, ÖPNV, Straßen, Wege, Parks, Brücken, Flächenrecycling etc.), in Bildung und Berufsbildung in der Rhein-Ruhr-Emscher-Lippe-Region können von den Kommunen auf keinen Fall ohne zusätzliche Hilfe geschultert werden. Wer hilft nun dem Ruhrgebiet? Welche Maßnahmen sind noch zusätzlich notwendig? Die Diskussionen der Politik, vor allem zur Finanzierung ziehen sich unerträglich lange hin, und wenn erst ab dem Jahre 2020 die Bundes-Finanzpolitik den alten Industrierevieren einen neuen Stellenwert einräumen sollte, wird es vielleicht schon zu spät sein. Wahlbeteiligung, Armutsberichte, Arbeitslosenstatistik und die problematisch sich entwickelnde Immobiliensituation, insbesondere im Norden des Reviers, sprechen eine andere Sprache, nämlich die der Krise und der "Stupid Economy".


Ruhrgebiet: Mythos und Zukunft?

Der Mythos Ruhrgebiet hat gewaltige Schrammen abbekommen. Die Fragen: Was tun im Ruhrgebiet? Wer hilft nun dem Ruhrgebiet? müssen nun als nächstes mit Ideen beantwortet werden.

Die Risiken, aber auch die Chancen für die Zukunft sind beträchtlich, vor allem müsste die politische Zersplitterung des Reviers dringend überwunden werden. Gemeinsame Umsetzung von Förderung von Wirtschaftskraft und Verkehrsinfrastruktur über die Grenzen der einzelnen Kommune hinaus ist das Gebot der Stunde. Auch muss die Bundesrepublik endlich dazu die Kommunen mit nachhaltig genügend Finanzmitteln ausstatten.
Die Zukunft kann noch gut werden, wenn endlich die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.

Dann mag es heißen: Der Mythos lebt weiter.


 


 


 

 

 

 

 

 
     

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